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Geschichte | Lietzow12

Geschichte

GESCHICHTE

Der Künstlerhof Alt-Lietzow befindet sich Schulter an Schulter mit dem rückseitigen Rathaus Charlottenburg, in der Straße Alt-Lietzow. Die Straße erhielt ihren Namen nach dem im Mittelalter gegründeten Fischerdorf Lützow oder auch Lietzow. Diese älteste Siedlungseinheit Charlottenburgs wurde 1239 erstmals erwähnt. Das Dorf gehörte bis 1542 zum Nonnenkloster Spandau. Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I. von Preußen, schenkte es 1665 seiner Gattin Sophie Charlotte und ließ ihr dort ein eigenes Schloss bauen, das sie als Musenhof führte.

Nach ihrem Tod im Jahr 1705 benannte der König das Schloss Lützenburg und die umliegende Ansiedlung in Charlottenburg um. Sein Sohn Friedrich Wilhelm I. gemeindete Lützow 1719 nach Charlottenburg ein.

Das Haus auf dem Grundstück Alt-Lietzow 12 wurde 1888 als Industriegebäude im typischen Gründerzeitstil gebaut und wurde im frühen 20. Jahrhundert als Brauerei genutzt. Es folgte eine Likörfabrik, deren Werbespruch an der Hauswand „Bärenliköre schaffen Bärenstimmung“ erst in der jüngeren Vergangenheit verschwunden ist. Auf Architekturplänen von 1904 erkennt man in den Kellergewölben Lagerräume, Brenner und die späteren Vorrichtungen für die nachfolgende Wäscherei.

An den Schriftsteller Erich Mühsam, bedeutender Lyriker, Dramatiker, Essayist und Zeichner, der eine Zeit lang in Alt-Lietzow, der früheren Lützower Straße arbeitete erinnert am Haus eine Gedenktafel: „Ein Anarchist, der die Gewalt hasste“. Im Jahr 1934 wurde Mühsam von den Nationalsozialisten im KZ Oranienburg ermordet. In den späten 1960er Jahren war das Haus Wohnort und Treffpunkt der Westberliner
Filmszene um die Deutsche Film- und Fernsehakademie. Gisela Tuchtenhagen (Kamerafrau und Regisseurin) lebte hier von 1967 bis 1972 – bis heute ihre allerliebste Wohnung. Sie richtete eine große Dunkelkammer ein und arbeitete während dieser Zeit mit der feministischen Regisseurin Helke Sander an dem Film „Macht die Pille frei? (1971).

Später zog Ihr Lebensgefährte, der Dokumentarfilmregisseur Klaus Wildenhahn ein, mit dem sie 1978 den Grimme Preis für den Dokumentarfilm „Emden geht nach USA“ verliehen bekommen sollte. In den 1970er Jahren zog der bekannte Filmemacher und Essayfilmer Harun Farocki ein, Szenen für sein „Vietnam vor Augen“, wurden hier geprobt. Seit 1982 arbeiten im Künstlerhof bildende Künstlerinnen, Videofilmer, Musikinstrumentenbauer, Musiker, Bildhauer, ein Goldschmied, eine Keramikerin, sowie ein Schriftsteller und ein Journalist.

In Zukunft heißt unser Künstlerhof „LIETZOW12“

Im Jahr 2000 hatte Brigitte Arndt (Bildende Künstlerin, Kulturpädagogin und selbst seit 1987 Mieterin eines Ateliers im Haus) die Vision, verschiedene Künste an diesem Ort zu vereinen. Mit Strahlkraft über den Bezirk, um einen kontinuierlichen Austausch von Kunst und Kultur zu ermöglichen. Über viele Jahre realisierten Brigitte Arndt und Frank Schroedter (Tischlermeister, Bau- und Projektleiter) in den Räumen des Künstlerhofs ganz unterschiedliche Veranstaltungen: Ausstellungen, Literaturabende, Konzerte, Theater, Kunstseminare und Kulturfeste im Hof. Dieses Programm wurde in Eigeninitiative geplant und durchgeführt, teilweise mit Unterstützung des Kulturbüros City-West. Aufgrund veränderter Mietverhältnisse konnten viele dieser Aktivitäten in den letzten Jahren nicht mehr stattfinden.

Seit Juli 2017 haben die Gründerin des Künstlerhofs Brigitte Arndt und Frank Schroedter nach langjährigen Bemühungen und mit der Unterstützung vieler Befürworter, eine gGmbH gegründet und sind jetzt Eigentümer des Gebäudes Alt-Lietzow 12.

Sie arbeiten gemeinsam an einem neuen, erweiterten Kunst- und Kulturkonzept. Durch einen Umbau entstehen Eventräume, eine Galerie, Seminarräume, ein Garten sowie ein Dachgarten mit Gemüseanbau und einem Bienenvolk. Das öffentliche Angebot wird ausgebaut, während weiterhin zuverlässig preisgünstige Ateliers für Künstler zur Verfügung gestellt werden.